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Wem gehört Neukölln?

Unter diesem Motto fand gestern eine Veranstaltung des „Tagesspiegel“ in einer Galerie in der Nord-Neuköllner Hobrechtstrasse statt. Im Rahmen seiner Langzeit-Recherche Wem gehört Berlin? sollte mit dem Baustadtrat Biedermann über „Immobilienbesitz, Mietpreise und alternative Mietmodelle im Kiez“ geredet werden. Doch für Menschen , die was erfahren wollten über die Besitzverhältnisse in Neukölln, die Eigentümerstrukturen, die Firmen, die Vorgehensweisen und die Veränderungen der letzten 5 bis 10 Jahre war der Abend eher enttäuschend. Es wurde viel geredet über Milieuschutz, steigende Mieten, Vorkaufsrecht und die fehlenden Eingriffsmöglichkeiten des Bezirks, aber es gab nur wenig Informationen darüber: Wer besitzt Neukölln, wer kauft Neukölln.

Hier nur ein paar Anmerkungen am Beispiel des Schillerkiezes.
Seit 10 Jahren ( einhergehend mit der Schliessung des Flughafens Tempelhof) haben sich die Eigentümerstrukturen erheblich geändert. Damals waren es noch überwiegend einzelne Eigentümer, die ein oder zwei Häuser besassen. Der einzige Grosseigentümer war die städtische Wohnungsgesellschaft Stadt und Land, die nachwievor mehrere Wohnblöcke an der Oderstrasse besitzt. Eine sozial eingestellte Eigentümerin aus der Okerstrasse organisierte eine Kooperation von Eigentümern mit einer gemeinsamen Wohnungsvermittlung. Dieser Zusammenhang ist schon seit Jahren verschwunden, viele Eigentümer sind gestorben, haben vererbt oder verkauft. Die meisten Erben waren eher geldgeil und haben die Häuser verscherbelt. So kamen zunehmend Immobiliengesellschaften in den Kiez, für die Wohnungen nur noch Geldanlage sind zum Erwirtschaften von maximalen Profit. Mieterinnen sind nur noch Zahlen , mit denen hantiert wird.

Die Firma Tarsap z.B. hat Häuser billig aufgekauft und in Eigentumswohnungen umgewandelt und treibt das jetzt auch aktiv im Bezirk Schöneberg. Ziegert , eine Bank- und Immobilienconsulting hat ihre Hausentmietung zugunsten von Eigentumswohnungen zum Glück nur an einem Haus durchexerzieren können, ist aber fleißig mit dem Bau von Luxuswohnungen profitträchtig beschäftigt. Die Immobiliengruppe Mähren-Gruppe unter Führung von Jakob Mähren hat ihre gekauften Häuser schnell wieder an die Firma Akelius weiterverkauft, als absehbar war, dass der kommende Milieuschutz ihr Geschäftsmodell untauglich macht.

Einige Akteure heute

Akelius
Seit 2013 kauft die schwedische Immobiliengruppe Akelius Häuser im Schillerkiez auf und verlangte schon damals um die 11 Euro Kaltmiete pro Wohnung in der. Inzwischen liegen die Angebotsmieten zwischen 20 und 30 Euro. Für eine 30 m² Wohnung in der Lichtenrader Str. 38 sollen 750 € Kaltmiete gezahlt werden. Immerhin findet sich seit 2 Monaten niemand, der diese Wuchermiete bezahlen will.
Akelius besitzt fast 800 Häuser in Berlin, davon mehrere Dutzend im Norden Neuköllns.
Es gibt eine sehr rührige Vernetzung von Akelius-Mieter*innen mit vielen Informationen auf ihrer Website. Auf diesem Blog gibt es auch etliche Texte zu Akelius .

ADO
Seit 2,3 Jahrem macht sich auch das Berliner Unternehmen ADO in Neukölln bemerkbar, das berlinweit wohl 24 000 Wohnungen besitzt. Sie wandeln gerne Wohnungen in Eigentum um, auch in Milieuschutzgebieten. Ein Erfahrungsbericht der Mieter_innen-Initiative „Rosi bleibt!“ Hausgemeinschaft „Rosi bleibt“ wehrt sich vom Oktober 2017 informiert darüber.

Immeo, jetzt covivio
Ein weiterer grosser Player ist die Immeo-Gruppe, die sich seit diesem Jahr „Covivio“ nennt. Diesem Unternehmen gehören ganze Blöcke in der Flughafenstrasse ( 5 Häuser nebeneinander), in der Emser Strasse und in der Mahlower Strasse. Auch sie kümmern sich wenig um Mieter ( in einem Haus in der Kienitzer Str. fällt der Aufzug fast 100 Tage im Jahr aus), wandeln aber in Eigentum um.

Accentro
Die ACCENTRO GmbH ist ein Immobiliendienstleister, der sich auf die Privatisierung großer Wohnungsportfolios spezialisiert hat und hauptsächlich im Geschäft mit Eigentumswohnung tätig ist. In der Flughafenstr. 72-74, gegenüber dem nördliche Ende der Weisestrasse haben sie seit Ende 2016 einen Neubau mit 72 „hochwertige Wohneinheiten“ als Eigentumswohnungen entstehen lassen. Mittlerweile fertiggestellt sind 58 Einzimmerwohnungen (19 bis 23 m² gross ) als sog. Mikroapartments für Studenten und Singles, dazu 14 grössere Wohnungen, siehe auch Wohnungsbau Neukölln – nur für Reiche . Die Miniappartments sind der neue Renner auf dem Immobilienmarkt, mit dem besonders viel Profit gemacht werden soll. Die Miniwohnungen wurden für 100 000 Euro angeboten und innerhalb weniger Tage an eine Investorengruppe aus Hongkong verkauft Strong investor confidence in Berlin sees Neukölln project sell in days .

Pears Global Real Estate
Eine bisher unbekannte Immobilien-Gruppe wurde infolge von Recherchen zur Kündigung der Kiezkneipe „Syndikat“ in der Weisestrasse 56 bekannt: die Pears Global Real Estate Group. Dieses Familienunternehmen aus England besitzt 6200 Wohnungen in Berlin, darunter das Haus Weisestrasse 56, daneben wohl auch andere Häuser in Neukölln. Näheres dazu in dem Bericht Das Haus Weisestraße 56 und seine Eigentümer .

Herbst der Besetzungen

Ein Aufruf von #besetzenberlin

// „In Erwägung, daß da Häuser stehen während ihr uns ohne Bleibe laßt haben wir beschlossen, jetzt dort einzuziehen weil es uns in uns’ren Löchern nicht mehr paßt.“ (Bertolt Brecht – Resolution der Kommunarden) // Am 20. Mai diesen Jahres wurden in Berlin und Potsdam zehn Häuser besetzt. Trotz positiver Ressonanz der Nachbar*innen und in den Medien wurden noch am gleichen Tag alle Besetzungen durch die Bullen gewaltsam geräumt. Trotz vieler Versprechungen in Sachen Wohnungspolitik, lässt die „Links“regierung Häuser räumen und die Polizei Menschen verprügeln. Der Schutz des Eigentums zählte wieder mal mehr als das Recht auf Wohnen und die körperliche Unversehrheit von Menschen. Dabei waren die Besetzungen ohne Frage richtig und längst notwendig. So finden mehr als die Hälfte der Berliner*innen Besetzungen legitim. Raum zum Wohnen und Leben brauchen wir jedoch immer noch. Darum nehmen wir ihn uns!

Herbst der Besetzungen 2018

#besetzen zur Normalität werden lassen.

Wie die unzähligen Menschen in Spanien, Italien und Griechenland, die aufgrund sogenannter „Krisen“ keine legale Möglichkeit besitzen an Wohn- und Lebensraum zu kommen, während zigtausende Wohnungen leerstehen und sie sich diese einfach nehmen. Wie die Menschen mit Fluchterfahrung, die den ihnen zugewiesenen „Lebens“raum in abgeschotteten Lagern oder in der Obdachlosigkeit nicht länger akzeptieren wollen und sich leerstehende Häuser nehmen. Wie die Menschen in Halle, Aachen, Stuttgart und anderswo, die auf den Mangel an selbstverwalteten Räumen und verfügbarem Wohnraum mit der Aneignung von spekulativem Leerstand reagierten. Und wie all die obdachlosen Menschen, die sich tagtäglich aus der nackten Notwendigkeit heraus mit Zelten, Matratzen und Schlafsäcken den öffentlichen Raum aneignen und ihn nutzen.

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Go-In bei Stadt und Land in Neukölln

Heute um 11:45 sind wir – Freund*innen der Hausbesetzungen und Freund*innen der Borni37 – in die Geschäftsstelle der STADT UND LAND gegangen um die Rücknahme der Strafanträge wegen Landfriedensbruch zu fordern

Am 20.5. diesen Jahres sind mehr als 60 Menschen in das seit Jahren leerstehende Haus in der Bornsdorfer Straße 37b in Berlin Neukölln eingezogen. Sie haben es besetzt. Wenig später tauchte die Polizei auf, es wurden die Eigentümer – allen voran Ingo Malter – von der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft STADT UND LAND informiert und herzitiert. Malter ließ noch während der Verhandlungen das Haus von den Bullen räumen. (Mehr dazu unter: besetzen.noblogs.org oder im Anhang – Brief „Ingo, wir müssen mal reden“)

Ätzend, dass wir bei diesem Wetter (35 Grad im Schatten) überhaupt in den Glaskasten in der Werbellinstr 12 in Neukölln gehen mussten. Wir hätten uns weitaus besseres vorstellen können. Aber was soll‘s!? – 56 Strafanträge sind eben kein Zuckerschlecken und die Oberbosse der städtischen „Wohnbauten-Gesellschaft mbH“ haben hier nun mal ihre Büros.

Im Foyer des Gebäudes schlug uns die soziale Kälte der Rezeptionist*innen entgegen, die ob der draußen schwelenden Hitze fast schon erfrischend war. Weder wollte man mit uns reden, noch wollte (oder konnte) man die mitgebrachten Briefe an ihren Chef Ingo entgegenehmen oder lesen. Immerhin wählten sie nicht die 110 oder den Sicherheitsdienst, sondern den Pressesprecher Frank Hadamczik und die zweite Geschäftsführerin Anne Keilholz. (ob das die Digitation von Pinehill s.a.r.l. ist?). Ingo selbst war angeblich im Urlaub.

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37 Euro Miete pro m2 ?!

Das verlangt die Immobilienfirma Akelius für eine Wohnung in Berlin!

Nach Berlin am 14.4.2018 gehen am 2.6. auch in Hamburg viele Menschen auf die Straße, um sich gegen Mietenwahnsinn und Verdrängung zu wehren. In Berlin wird es deshalb eine Solidaritäts-Kundgebung geben:

Samstag, 2.6., 17-18 Uhr

vor der Akelius-Zentrale in Kreuzberg, Erkelenzdamm 11-13

Die in Berlin, Hamburg und weltweit agierende Akelius verlangt für eine 1‑Zimmer‑22,7‑m2‑Wohnung, sanierter Altbau, Hinterhaus, Erdgeschoss, Urbanstr. 68, 10967 Berlin, über 37 Euro/m2 – Exposé hier:
Expose

Nähere Infos zu Demo hier:
Mietenwahnsinn stoppen! Berlin solidarisch mit Hamburg!

Kundgebung vor Akelius

Die Akelius-Zentrale haben wir als Ort der Kundgebung gewählt, um die Kämpfe der Akelius-Mieter*innen im Besonderen, aber auch aller anderen von Verdrängung Betroffenen zu unterstützen: in Berlin, Hamburg, überall.

Info-Forum der Akelius-Vernetzung
Diverse Artikel zu Akelius auf diesen Blog: Texte zu Akelius

In Hamburg gab es bereits eine Aktion gegen Akelius, über die „Hamburger Morgenpost“ hier berichtet ( mit kleinem Video ): Demonstration am Sonnabend Kampf gegen den Mieten-Wahnsinn
„St. Pauli -
Eine Mauer aus goldenen Backsteinen. Damen und Herren in schwarzen Anzügen mit einem Mieterhöhungsschreiben unter dem Arm und „Akelius“-Sticker auf der Brust. Mit dieser symbolischen Blockade-Aktion haben mehrere Hamburger Initiativen Montag auf St. Pauli zur Teilnahme am „MietenMove“ am kommenden Sonnabend aufgerufen.“

25. Mai 2018: Demo gegen Räumung

„Der Senat redet von Wohnungspolitik – Wir machen sie!“ #besetzen

Aufruf zur Demonstration am 25.05.2018 // Auftakt: 18 Uhr // Lausitzer Platz (Berlin-Kreuzberg) Am vergangenen Pfingstsonntag wurden in Berlin und Potsdam 10 leerstehende Häuser besetzt. Von der Villa über eine ehemalige Kita bis hin zum ganzen Wohnhaus. Was über Jahre tote Spekulationsmasse war, wurde mit Leben gefüllt. Auch wenn einige der Besetzungen sehr schnell aufgegeben wurden, handelte es sich bei #besetzen nicht bloß um eine symbolische Aktion. [Mehr Infos unter: besetzen.noblogs.org/)

Demo 25.5.2018

Jeder Leerstand wurde in seinen Kontext gesetzt und für nahezu alle Objekte gab es Konzepte, die eine mögliche Nutzung im Sinne einer solidarischen Stadtpolitik aufzeigten. Betont wurde hierbei immer, dass nicht der Leerstand das Problem ist, sondern das Prinzip von (Privat-)Eigentum an Nutz- und Wohnraum, welches Spekulation erst möglich macht. Spekuliert wird aber nicht nur mit Leerstand, sondern auch mit bewohnten und genutzten Flächen. Das bedeutet, dass es jede*r verdrängt werden kann. Ob das nun Jugendzentren, Kitas, ein Späti oder ganze Wohnblöcke sind. Deshalb war am 20. Mai klar: Räume müssen erkämpft und verteidigt werden. An diesem Tag sollten vor allem die Bornsdorferstraße 37b (Borni) in Nord-Neukölln und die Reichenbergerstraße 114 (Friedel54 im Exil) in Kreuzberg als selbstverwaltete Orte für den Moment verteidigt und langfristig als Orte der Organisierung für eine Stadtpolitik von Unten aufgebaut werden.

Sie wollen keine Verhandlungen, sie wollen nur Gewalt.

Die Gewalt einer Stadtpolitik von Oben spüren wir in Berlin Tag für Tag. Gefahrengebiete, Zwangsräumungen, Lagerunterbringung, Rassismus und Wohnungslosigkeit sind hierbei nur einige Schlagworte. Beim „Karneval der Besetzungen“ wurde wieder einmal deutlich, dass der Berliner Senat auch Ursache dieser Gewalt ist. Ebenfalls wurde deutlich, dass zwischen privaten Hauseigentümern wie Akelius und städtischen Unternehmen wie „Stadt und Land“ kaum noch Unterschiede bestehen.
Bei der Besetzung der Reiche114, im Wohnhaus der Akelius GmbH wurde von diesen gar nicht erst versucht zu kommunizieren, so unterschrieben irgendwelche Handlanger gegen 20.30 Uhr den Straf- und Räumungsantrag. Mit enormer Polizeigewalt wurde nur 2 Minuten später die angemeldete Kundgebung vor dem neuen sozialen Zentrum, sowie der Lautsprecherwagen gestürmt. Hierbei gab es viele Verletzte. Das entschlossene Agieren aller solidarischen Menschen vor Ort verhinderte Schlimmeres und ermöglichte den Rückzug der Besetzer*innen.
Zeitgleich wurde die Borni gestürmt, obwohl die Verhandlungen über die zukünftige Nutzung des Gebäudes noch liefen. Angesichts dessen, dass der Berliner Senat, sowie Stadt & Land Boss Ingo Malter die Besetzer*innen der brutalen Staatsgewalt auslieferte, ohne auch nur einer Person zu ermöglichen schon vorher das Gebäude zu verlassen, kann dieses Vorgehen nicht nur als Farce, sondern als Tragödie einer sich „sozial“ nennenden Stadtpolitik verstanden werden. Zusätzlich zu den Bullenschikanen im Haus und während der Identitätsfeststellung will Malter die 56 Besetzer*innen noch mit Strafanzeigen überziehen. Eigentum verpflichtet anscheinend doch… zum Arschloch sein.

Wir fordern am 25. Mai und auch sonst:
Straffreiheit für alle Besetzer*innen! Weg mit den Strafanzeigen durch Stadt & Land! Weg mit der „Berliner Linie“!

Trotz der Durchsetzung und dem Beharren des Senats auf die Berliner Linie wurde am vergangenen Wochenende und die daraus entstehende Debatte deutlich gemacht, dass Besetzungen eines von vielen legitimen und notwendigen Mitteln ist. Eine rebellische stadtpolitische Bewegung wird auch weiterhin zivilen Ungehorsam üben, wie am 22.Mai mit der erfolgreichen Blockade einer Zwangsräumung in Berlin-Lichtenberg gezeigt wurde. Ob sie auch weiterhin #besetzen wird, liegt an uns allen. Deshalb die Aufforderung an alle:

Weitermachen!
Besetzen, enteignen und die Stadt von Unten aufbauen!




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