Suchergebnisse für 'Ziegert'

Wohnungsbau Neukölln- nur für Reiche

nicht für Menschen mit wenig Geld, prekär Beschaftigte, Geflüchtete, Menschen mit Hartz4 usw.

Am Rande des Schillerkiezes, in der Flughafenstr. 72-74, gegenüber dem nördliche Ende der Weisestrasse entsteht seit Ende 2016 ein Neubau. Die Immobilienfirma Accentro errichtet 72 „hochwertige Wohneinheiten“ als Eigentumswohnungen, geplant sind 58 Einzimmerwohnungen (19 bis 23 m² gross ) als sog. Mikroapartments für Studenten und Singles. Diese Miniwohnungen sind derzeit der neue Trend auf dem Immobilienmarkt, damit lässt sich auf kleinem Raum viel Profit erwirtschaften. Die restlichen Wohnungen ( 36 bis 106 m² gross ) sollen 2 bis 4 Zimmer enthalten und sind für Familien und Paare gedacht.

Neubau Eigentumswohnungen Neukölln

Auf ihrer Website wirbt Accentro unter der Überschrift „Investieren Sie in Wohnraum, profitieren Sie von der Wertentwicklung!“ mit diesen Worten:

„Das Projekt eignet sich auf Grund der großen Nachfrage nach kleinem Wohnraum ideal für Kapitalanleger und Selbstnutzer. Die ideale Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr in einer attraktiven Makrolage wie auch die Mischung aus gewachsenem Kiez und neu geschaffenem Naherholungsgebiet, dem Tempelhofer Feld, erschließt dem Kapitalanleger eine breit gefächerte, generationsübergreifende Nachfrage. Der Selbstnutzer hingegen weiß die zentrale Lage und attraktive Architektur zu schätzen. Ein ideales Investment für Kapitalanleger und Selbstnutzer!“

Bisher gibt es noch keine Preise für die Wohnungen, der Vertriebsstart soll noch in diesem Monat sein.

Derzeit vermarktet z.B die Immobilienfirma Ziegert – Bank- und Immobilienconsulting GmbH vermietete Eigentumswohnungen in der Leinestr. 51 zu Preisen von 4300 Euro pro m².

und der Song zum Thema: Christiane Rösinger, Eigentumswohnung

Update vom 2.4. 2017:

Inzwischen bietet Accentro die Wohnungen auf ihrer Website und den einschlägigen Portalen an. Die Preise beginnen bei 5100 € pro m².

Räumung der Friedel 54 im April erwartet

Es gibt Neuigkeiten vom Kiezladen Friedel54 :

Erklärung vom 7. Februar 2017:

Lange war es ruhig um den Kiezladen Friedel 54. Einiges ist passiert, an der beschissenen Ausgangslage hat sich leider nicht viel geändert. Im Gegenteil, der Tag, gegen den wir nun schon so lange ankämpfen, rückt näher: Die drohende Räumung unseres kleinen, sozialen Zentrums nach über 13 Jahren.

Friedel54 verteidigen

Aber erstmal ein paar Ausschnitte, was die letzten Wochen und Monate der relativen Stille bei uns passiert ist:

Initiative der Hausgemeinschaft

Die solidarische Hausgemeinschaft der Friedelstraße 54 schickte einen Brief an die Pinehill s.à.r.l., sowie die Secura Hausverwaltung. Das Ziel: Ansprechpartner*innen finden, das Haus dem Markt entziehen und endlich Ruhe vor allen Spekulant*innen haben. Immer wieder wurde betont, dass neben dem eigenen Schicksal, der Kiezladen im Erdgeschoss des Hauses bleiben muss.

Man habe kein Interesse das Haus zu verkaufen stand in der kurzen nüchternen Antwort und auf den Kiezladen wurde gar nicht erst eingegangen. In einem Redebeitrag auf der Demo „Rebellische Nachbarn – Solidarische Kieze – Stadt von unten“ wurde der Solidarität durch die Hausgemeinschaft ebenso Ausdruck verliehen.

Fahrt nach Luxemburg

Freund*innen des Kiezladens wagten Ende Dezember den Versuch, den vermeintlichen Briefkasten der Eigentümerfirma Pinehill s.à.r.l. in Luxemburg aufzusuchen. Wider Erwarten wurden sie dort von Vertreter*innen einer, der Pinehill verbundenen, Firma empfangen. Wie sich in einem erstaunlich offenen Gespräch herausstellte, waren die Vertreter*innen der Eigentümerseite wenig über die konkreten Abläufe in Berlin informiert. Im Gegensatz zu den bisherigen Aussagen der Hausverwaltung, hat diese viel mehr operative Befugnisse.

Heruntergebrochen: Pinehill parkt in Berlin Kohle und interessiert sich nicht sonderlich für das operative Geschäft. Die Secura Hausverwaltung kümmert sich nicht nur um ein bisschen Putzen und Miete verwalten, wie sie immer glauben machen wollte, sondern fungiert als operativer Eigentümer, besitzt also auch die Entscheidungsgewalt über Mietverlängerungen und alles was damit zusammen hängt. Frédéric Gautier Winther – Geschäftsführer der Pinehill – sitzt derweil im sonnigen Texas und zählt die Rendite. Wie diese geschöpft wird, dürfte ihm herzlich egal sein, dass sein Investmentkonzept keine Graswurzelstrukturen in Berlin mit einschließt, ist sicher.

Besuch bei der Secura Hausverwaltung

Mit dem neu gewonnen Wissen gingen Unterstützer*innen des Kiezladens zur, in Berlin beheimateten, Hausverwaltung um sie damit zu konfrontieren und legten ein Angebot vor, das sie nicht hätten ablehnen können. Oder sollen. Und zwar einen Mietvertrag über die Räumlichkeiten im Erdgeschoss, zu den selben, finanziellen Konditionen wie vor der Kündigung, über eine Laufzeit von 54 Jahren, mit einer beidseitigen Option zu einer weiteren Verlängerung über weitere 30 Jahre. Dies hätte eine Win-Win-Win-Situation für alle Beteiligten bedeutet. 54 Jahre Ruhe für die Secura-Hausverwaltung und die Pinehill s.à.r.l. und 54 Jahre sorgenfreie Existenz des Kiezladens und somit 54 Jahre Kraft für rebellische Kiezarbeit, solidarische Nachbarschaften und allerlei anderen Schabernack.

Dieses, wirklich unschlagbare Angebot wurde von der Secura, angeblich im Namen der Pinehill, aus uns unerfindlichen Gründen abgelehnt. Die Vermutung liegt nahe, das ein im Kiez verankerter, unkommerzieller und widerständiger, sozialer Raum, nicht so sehr in die Kalkulation der beteiligten Akteure passt, wie etwa ein VintageCocktailStreetfoodCreativeCoWorkingGalleryArtistSpace, mit Bio-Macbooks aus der Region.

Das bedeutet, dass voraussichtlich alle juristischen und diplomatischen Wege, den Kiezladen zu erhalten, ausgeschöpft sind. Bereits der Vergleich im Oktober vergangenen Jahres, glich eher einer Erpressung á la „entweder wir prügeln euch jetzt raus, oder in 6 Monaten“, als einer Entscheidung im Sinne der ansässigen Bewohner*innen. Klassenjustiz, wie wir sie nicht anders gewohnt sind und sich einreiht in die geifernde Verfolgung und gewünschter Verurteilung unserer Freund*innen Aaron, Cem, Ali, Balu und Thunfisch. Aber so wütend uns diese Farce macht, so sind sie leider nur die Spitze eines hässlichen und stinkenden Eisbergs, der in den letzten Monaten nicht kleiner geworden ist. Im Gegenteil.

(mehr…)

Rebellisch durch den Kiez

Etwa 500 Menschen beteiligten sich trotz miesen Wetters an der Kiezdemo am 19. 11. quer durch den Neuköllner Norden. Bei der Auftaktkundgebung am Herrfurthplatz wurde ein Beitrag zur Entwicklung im Schillerkiez und speziell zu dem Haus Weisestr. 47 verlesen, den wir hier dokumentieren.

Redebeitrag auf der heutigen Demo

Zur Situation im Schillerkiez
von stadtpolitisch aktiven Menschen aus dem Stadtteilladen lunte

Seit der Öffnung des Tempelhofer Feldes vor 6 Jahren haben sich die Wohn- und Lebensverhältnisse vor allem für die Bewohner mit geringem Einkommen rasant verändert. Die Immobilienwirtschaft hat hier gleich den Profit gerochen und zugeschlagen. Die Angebotsmieten sind in den 6 Jahren um 90% angestiegen. Die Bewohnerinnenzahl hat sich um fast 2000 erhöht.

Die Firma Tarsap z.B. hat Häuser billig aufgekauft und in Eingentumswohnungen umgewandelt und treibt das jetzt auch aktiv im Bezirk Schöneberg.
Ziegert, eine Bank- und Immobilienconsulting hat ihre Hausentmietung zugunsten von Eigentumswohnungen zum Glück nur an einem Haus durchexerzieren können, ist aber fleißig mit dem Bau von Luxuswohnungen profitträchtig beschäftigt.
Die Immobiliengruppe Jakob Mähren hat ihre gekauften Häuser schnell wieder weiterverkauft, als absehbar war, dass der kommende Milieuschutz ihr Geschäftsmodell untauglich macht.
Ihr Unwesen treibt nun neuerdings die Immobilienfirma Akelius, die längerfristig orientiert ist. Sie lässt Häuser und Wohnungen billig aufmotzen und verlangt dann Wuchermieten von 15 bis 20 € kalt pro qm.
Die Immobiliengruppe ado will trotzt Milieuschutz Wohnungen in Eigentum umwandeln. Dazu nutzen sie ein Schlupfloch, das die Umwandlung zulässt, wenn die Wohnungen in den nächsten 7 Jahren nur an die derzeitigen Mieter verkauft werden.
Andere Eigentümer wollen Knete machen mit Aufzugseinbau oder Balkonanbau.
Migrantische Menschen aus den östlich von hier liegenden Ländern werden verdrängt oder müssen sich zu mehreren in kleine Wohnungen drängen, um überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben.Sie bleiben fast unsichtbar.
Hingegen hat sich das öffentliche Strassenbild geändert, wird inzwischen dominiert von hippen Menschen ,sie bevölkern die zahlreichen Cafes, Fress- und andere Läden und die Grünstreifen auf dem Herrfurthplatz. Wir bezeichnen den Straßenabschnitt zwischen Hermannstr und Oderstr., also die Rennstrecke zum Feld, als die Fressgasse.
Mieterinnen wehren sich von Anfang an gegen ihre Verdrängung. Sie schließen sich zusammen, organisieren Hausversammlungen und machen Besuche und Eingaben beim Bezirksamt. Andere wollen aus Angst vor der Kündigung nicht an die Öffentlichkeit, verständlich, denn wo sollen sie bezahlbaren Wohnraum finden in dieser vom Kapital überfluteten Stadt?

Weise47 übernehmen!
Ein exemplarisches Beispiel von Leerstand und Wohnraumvernichtung ist die Weisestr. 47. Über 10 Jahre hinweg waren nur zwei Wohnungen im Hinterhaus bewohnt, seit März letzten Jahres gar keine mehr. Dagegen wird seit Jahren protestiert mit Flyeraktionen, Kundgebungen Scheinbesetzungen usw. Am 28. April 2012 gab es eine Hausbesetzung , die von der Polizei brutal beendet wurde. Zweckentfremdungsverbot, Anfragen in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Neukölln, keine Chance, ist ja Eigentum, höchstes Gut in Deutschland. Damit kannste machen was de willst, z.B .eben auch vor den Augen tausender Wohnungssuchender verotten lassen. Im September/Oktober 2015 wurde das Haus dann komplett unbewohnbar gemacht. Alle Innentüren , Kücheneinrichtungen und sanitäre Anlagen wurden herausgerissen, um einer möglichen Beschlagnahmung für Flüchtlinge vorzubeugen. Seit Anfang September diesen Jahres gibt es Sanierungsarbeiten, komplette Einrüstung des Hauses , Baukran im Hof, Abriss der Dächer. Angekündigt ist eine energieeffiziente Sanierung von Vorder- und Hinterhaus mit 35 Mietwohnungen . Der Eigentümer ist die Henning Conle GmbH & Co. KG, vertreten durch die Westfalia Immobilienverwaltung GmbH. Im Jahre 2014 wurde bekannt, dass Conle sich für 2 Milliarden englische Pfund mit seiner in Liechtenstein registrierten Gesellschaft Sirosa Luxusimmobilien in London zusammengekauft hat . Er betreibt mit seinen Kindern ein undurchschaubares Geflecht von Firmen, die wahren Geldgeber sind unbekannt. Inzwischen ist Conle von London nach Zürich in die Schweiz gezogen und lebt dort in einem herrschaftlichen Anwesen am Zürichsee. In der Liste der 300 reichsten Schweizer des Jahres 2015 steht er auf dem 128. Platz mit einem Vermögen von 1250 Millionen Schweizer Franken. Ein hoch angesehener schützenswerter und kapitalträchtiger Bürger !
Wir finden es gut, dass das Haus Weisestr. 47 saniert und bewohnbar gemacht wird. Denn viele Menschen in dieser Stadt brauchen Wohnungen, vor allem gering Verdienende, Wohnungslose und Geflüchtete. Für Conle ist dieses Haus ein Peanut, er braucht es nicht und kann es abgeben. Deshalb machen wir den durch nichts zu übertreffenden attraktiven Vorschlag, sein Haus nach vollendeter Sanierung diesen Menschen zur Verfügung zu stellen. Conle kann das freiwillig machen, er kann enteignet werden, das Haus kann von einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft gekauft werden , völlig egal, entscheidend ist , dass das Haus Weisestr. 47 in die Hände derer kommt, die es brauchen.
Die Reichen führen einen Krieg gegen die Armen (so die Aussage von Warren Buffet 2008) und wollen die soziale Frage militärisch lösen. Wir stellen das Eigentum in Frage und wollen uns nicht wie die Lämmer zur Schlachtbank führen lassen und auch nicht zu ihren Hofschranzen verkommen sondern uns gegen ihre Zumutungen wehren . Solidarität ist eine Waffe!!
Raus aus den Wohlfühlnischen , rein ins reale Leben!

Menschen, die eine Wohnung brauchen , die sich einen Kampf um die Weise47, wie auch immer, vorstellen können, sind herzlich eingeladen zu einem Treffen am kommenden Dienstag 17 Uhr im Stadtteilladen Lunte in der Weisestr. 53 .

Dabei gilt :
Es rettet uns kein höh‘res Wesen,
kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
Uns aus dem Elend zu erlösen
können wir nur selber tun!

Nachtrag vom 26.11.2016

Berichte zur Demo
Kiezladen Friedel54 Bericht über die Demonstration vom 19.11.2016
RadioAktiv Berlin Bericht von Kiezdemo gegen Verdrängung
neues deutschland, 21.11.2016 Miete verweigern, Kündigung ins Klo

Gewerbe statt Wohnraum

im sog. Geisterhaus am Hermannplatz

Es gibt Neues vom seit Jahren leerstehenden Haus Hasenheide 119, direkt am Hermannplatz gelegen. Es wird modernisiert und 3000 qm Gewerbefläche stehen Ende 2017/18 zur Verfügung. Ja: Gewerberäume und nicht bezahlbare Wohnungen für Menschen mit geringem Einkommen.

Dahinter steht der Berliner Spezialist für Luxus-Immobilien Nikolaus Ziegert mit seiner Ziegert Bank- und Immobilienconsulting GmbH , siehe diverse Texte zu Ziegert auf diesem Blog. Auf der neu eingerichteten Website hasenheide119.de für die „1A-Lage im Trendbezirk Neukölln“ können sich Interessenten schon mal registrieren lassen. Auf der Ziegert-Website stehen bereits zwei Angebote für Büroräume im 2. Stock:
5 Zimmer mit 125 qm für eine Kaltmiete von 2.250,00 € und
4 Zimmer mit 115 qm für eine Kaltmiete von 2.070,00 €
Die Räume sollen ab 1. Quartal 2018 bezugsfertig sein.
Ein kurzer Auzug aus den Exposees:
„Das charismatische Eckhaus bildet einen schönen Blickfang direkt am Hermannplatz und präsentiert sich mit klarem Standortvorteil. Ein Geschäft an dieser Adresse ist praktisch nicht zu übersehen und schafft allein durch die Lage Aufmerksamkeit. Nach umfangreicher Modernisierung bringt der Bau aus der Gründerzeit zeitgenössischen Komfort mit dem Charme langlebigen Altbauarchitektur zusammen.“

Hasenheide 119
Vor Wochen wurde ein Gerüst aufgebaut und eine grosse Werbeplane verkündet nun die Zukunft.

Weitere Infos zu diesem Haus:
Ende Januar 2016 hatte der tip-Berlin (Ausgabe 3/2016) in einer grossen Reportage über „Das Geisterhaus vom Hermannplatz“ berichtet:
„Es ist von weit her sichtbar und gilt als „Schandfleck am Eingang von Neukölln“: Direkt am Hermannplatz steht ein seit Jahren unbewohntes Haus. Angesichts des knappen Wohnraums in der Stadt wollte der tip wissen, was mit dem Gebäude los ist.“

Andere Zeitungen griffen das Thema auch auf:
Berliner Kurier 6.2.2016
Seit vier Jahren leer: Das Geisterhaus vom Hermannplatz
BZ 26.4.2016
Leerstand in der Hauptstadt: Warum stehen diese Prachtimmobilien in Berlin eigentlich leer?

Fünf Jahre RandNotizen

Vor fünf Jahren erschien die erste Ausgabe der Randnotizen. Seitdem ist viel geschehen, über vieles haben wir berichtet, manches fand nicht seinen Platz. Eine Zeitung zu erstellen bedeutet viel Arbeit und Geduld. Dazu haben wir wenig Ressourcen und erst recht keine professionellen Redakteur*innen. Ein häufigeres Erscheinen bleibt trotzdem unser Ziel, genauso wie der Aufruf, die Randnotizen zu untersützen, sei es durch eigene Artikel, Übersetzungen oder Anregungen. Fünf Jahre Randnotizen bedeuten auch fünf Jahre Entwicklungen in Kiez, Bezirk und Stadt. Wir wollen einige der Entwicklungen dieser Zeit in Erinnerung rufen.

Kein Ende der Verdrängung in Sicht

Nach fünf Jahren lässt sich sagen, dass die Dynamik von Verdrängung und steigenden Mieten nach wie vor fast ungebremst ihren Lauf nimmt. Und Verdrängung hat viele Gesichter, wie ein aktueller Dokumentarfilm zum Thema zeigt. Doch die Menschen sind einfallsreich und entwickeln einen alltäglich Widerstand im Umgang mit der Verdrängung. Die Communities der Arbeitsmigration können sich noch immer in ihren Innenstadtbezirken behaupten. Das Wohnen ist jedoch mit immer weiteren Einbußen verbunden. Menschen mit geringen Einkommen haben durchschnittlich 30% weniger Wohnfläche zur Verfügung als Menschen mit durchschnittlichem Einkommen. Und der mittlerweile stadtweit angespannte Wohnungsmarkt bietet kaum noch Möglichkeiten eine Wohnung mit niedrigem Einkommen zu finden.
Neu nach Neukölln kommen die jungen Kreativen. Aber aus Ländern wie Spanien, Italien oder Griechenland zieht es auch eine neue Welle Arbeitsmigrant*innen in den Bezirk. So entsteht in vielen Ecken vielleicht der subjektive Eindruck, dass Altes und Bewährtes verschwindet. Daran sind aber nicht die Zuzügler*innen schuld, sondern Stadtpolitik und Wohnungmarkt. Sozialeinrichtungen oder Jugendläden haben geschlossen, die dazugehörigen Mittel wurden von Senat, Bezirk und Jobcenter umgeschichtet. Doch auch das ging nicht immer still vonstatten. So mobilisierten Jugendliche öffentlichen Protest gegen die Schließung der Jugendeinrichtungen in Neukölln.
Heute bedarf es keiner repressiven Einrichtungen wie der Task Force Okerstraße mehr. Im Jahr 2008 hetzten der rassistische Hardliner Buschkowsky, Jugendrichterin Heisig („Richterin gnadenlos“) und die damalige Chefin des Quartiersmanagements (QM) Schillerkiez Frau Schmiedeknecht offen gegen Roma, die laut Task Force in „Problemhäusern“ wohnten. Auch gegen die „Trinkergruppen“ auf der Schillerpromenade wurde zu Felde gezogen. Die Roma wurden aus der Okerstaße verdrängt. Die Trinker*innen behaupteten sich trotz abmontierter Tische. Unterstützung bekommen sie jetzt von den Scharen an Biertrinkenden auf dem Weg zum Tempelhofer Feld. Hier hält sich der Aufschrei des QM dann doch in Grenzen. Denn nicht nur die Spätis sollen verdienen, sondern auch die vielen neuen Kaffees sollen sich füllen, und so für das neue Wohlgefühl im Schillerkiez sorgen.
Viele dieser Entwicklungen verlaufend schleichend. Immer sichtbarer wird aber, dass an vielen Orten bestimmte Milieus und ihre Strukturen verschwunden sind. Der Markt und das Geld regeln die Veränderungen des Kiezes. Aber auch die neuen Ateliers, Bars und Eisläden merken, dass das Bestehen am Markt ein hartes Brot ist, genauso wie die Entlohnung und Arbeitsbedingungen der hippen Selbstständigkeit. Nicht zu vergessen die ebenfalls explodierenden Gewerbemieten. Aber es gibt auch eiskalte Investitionsmodelle wie die Burgerdynastie Schillerburger, über die wir mehrfach berichteten. Trotz des nach außen gepflegten Images des unschuldigen kleinen Ladens konnte das im Hintergrund stehende Kapital aufgedeckt werden. Heute expandiert die Schillerkette in die ganze Stadt hinaus.
Stark verändert hat sich auch die Eigentumsstruktur der Häuser. Die Zahl der Einzelbesitzer*innen sinkt stetig zugunsten der finanzkräftigen Immobilienunternehmen, deren Programm alleine die Rendite ist. Hervorzuheben ist auch die Geschwindigkeit, mit der sich die Menschen verändert haben, die in den Schillerkiez gezogen sind. Waren es vor fünf Jahren noch die Künstler*innen, sind viele von ihnen nicht mehr im Kiez anzutreffen. Für viele von ihnen ist es heute schon wieder zu teuer. Breit machen sich dagegen Mietwohnungen für 10€/qm oder umgewandelte Eigentumswohnungen und die dazugehörigen Immofirmen und Entmietungsagenturen. Auch der hochpreisige Neubau ist auf dem Gelände der ehemaligen Kindlbrauerei angekommen. Dagegen wird etwa seitens des QMs hartnäckig behauptet, so etwas wie Gentrifizierung fände nicht statt in Nord-Neukölln. Eine kürzliche erschienene Studie begräbt diesen Mythos nun endgültig. Im Postleitzahlbereich 12049 sind die Mieten seit 2009 um 89% gestiegen auf nun 10 Euro kalt pro Quadratmeter. Verdrängung findet also nicht statt?

(mehr…)




Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: