Leise Verdrängung

Was bedeutet es, wenn die eigene Wohnung verkauft wird?
Leise Verdrängung/ Verkauf einer Wohnung in der Lichtenrader Straße

Eine Mieterin lebt jetzt seit 24 Jahren jetzt in der Lichtenrader Straße. Sie zog ihren Sohn hier groß. Die Mutter, die gepflegt werden muss, lebt im selben Haus. Der Bruder ebenso.
Als sie hier in den Kiez gezogen ist, wollten nicht so viele Menschen hierherziehen. Es gab viele Wohnungen, wo Menschen schon sehr lange lebten.Die hier mit ihren Familien gelebt haben. Viele Wohnungen standen aber auch leer. Der Kiez war nicht sehr beliebt. Seit der Öffnung des ehemaligen Flughafens hat sich hier vieles verändert. Plötzlich wollten viele Menschen in diesen Kiez ziehen.

Jetzt nach so vielen Jahren kam im Januar ein erster Brief. Die Wohnung soll verkauft werden. Schon im März gab es einen ersten sogenannten Besichtigungstermin. Menschen schauten sich die Wohnung an. Menschen die behaupten, dass sie hier gar nicht wohnen wollen. Sie wollen angeblich nur ihr Kapital anlegen. Die Mieterin konnte die Wohnung selber nicht kaufen. Da die Wohnung schon vor 20 Jahren in Eigentum umgewandelt wurde, hat die Mieterin jetzt auch in einem Milieuschutzgebiet keinen langjährigen Schutz.
Laut Auskunft der Maklerin hat sie jetzt noch 11 Monate Zeit falls der neue Käufer einziehen will.
Was passiert, wenn der neue Käufer die Wohnung teuer neu vermieten will, ist unklar. Es ist auch völlig unklar, ob der neue Käufer überhaupt ein Interesse daran hat, dass die Altmieterin bleiben kann.
Diese unklare Situation ist sehr belastend. Vielleicht kann man noch ein Jahr hier leben, oder 2 oder 5 Jahre. Aber wer steckt da noch viel Energie in seine Wohnung. Man will dort wohnen, wo man sich wohlfühlt. Man will es sich schön machen. Z.B. einen neuen Fußboden, neue Tapete oder all die vielen kleinen Arbeiten die wir Mieter selber machen.
Es ist auch sehr belastend, nicht zu wissen, ob man sofort nach einer neuen Wohnung suchen muss. Man fühlt sich wie auf gepackten Koffern. Die Mieterin sortiert jetzt schon Sachen aus.
Da die Mieterin hier ihr familiäres Umfeld hat, will sie hier wohnen bleiben. Oder hält auch schon Ausschau nach einer Wohnung hier im Kiez. Hier im Kiez aber eine bezahlbare Wohnung zu finden ist zurzeit sehr schwer bis aussichtslos, auch als arbeitende Frau. Nach einer schweren Erkrankung der Mutter im letzten Jahr hat die Mieterin ihre Arbeitszeit auf 6 Stunden täglich reduziert. Dies bedeutet jetzt nochmal mehr ein Problem.
Pflegst du deine Familie, kannst du weniger Lohnarbeit machen, hast weniger Einkommen und dadurch weniger Chancen auf einen neuen Mietvertrag.

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Redebeitrag beim Kiezspaziergang am 31. März 2019 im Schillerkiez





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