Archiv für Juli 2017

Nazi-Terror in Neukölln

Nazi-Terror in Neukölln

Nachdem es mehrere Monate keine rechten Anschläge in Neukölln gab, schlugen Nazis in der Nacht zum vergangenen Dienstag wieder zu. Es gab Brandanschläge auf 2 Autos von Menschen, die sich gegen rechte Politik engagieren. Die Brandstifter von rechts fühlten sich ermutigt durch die seit dem Wochenende tobende hysterische Hetze in den Medien und von fast allen politischen Parteien gegen linke Politik.
Heute Nacht wurde auf indymedia ein Bericht vom Antifaschistischen Recherchekollektiv Neukölln veröffentlicht den wir hier dokumentieren:
[B – Neukölln] Anschlagsserie: Julian Beyer als Verdächtiger und erneute Brandstiftungen .
Im indymedia-Artikel ist die Rede von der Nacht zum Montag. Die Anschläge geschahen aber am Dienstag, den 11. Juli , siehe Auto angezündet – Rechte Brandstifter terrorisieren Neukölln .
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Anschlagsserie: Julian Beyer als Verdächtiger und erneute Brandstiftungen

n der Nacht zu Montag wurden erneut zwei Autos in Südneukölln angezündet. [1] Der erste Anschlag in Buckow galt der SPD-Lokalpolitikerin Gabriela Gebhardt, mit dem zweiten nur fünf Minuten später in Rudow wurde Christel Jachan vom Aktionsbündnis Rudow getroffen.

Seit Sommer 2016 gab es mindestens 37 rechtsradikale Angriffe Neukölln. [2] Neonazis zündeten Autos an, outeten und bedrohten Linke mit Graffitis an deren Wohnorten, schmissen Fenster von Privatwohnungen mit Steinen und mit Farbe gefüllten Glasflaschen ein. Im Falle dieser Anschlagsserie gibt es für die Polizei nach Informationen der Morgenpost inzwischen einen Hauptverdächtigen. [3] Was nicht in dem Artikel steht, ist dass es sich bei dem 27-jährigen um den mehrfach vorbestraften Neonazi Julian Beyer (Bild 1) [4] handelt.

Antifaschistische Strukturen weisen schon seit Beginn der Angriffe auf Sebastian Thom (Bild 2) [5] und Julian Beyer als infrage kommende Täter hin. Beide wurden schon früher für ähnliche Taten verurteilt und wurden gemeinsam im Feburar 2017 in Nord-Neukölln gesehen, während sie mögliche Angriffsziele ausspähten. Thom wurde kurz vor dem Beginn der Anschlagsserie aus dem Knast entlassen. Zuletzt trat er öffentlich bei einer Nazidemo am 11. Feburar 2017 in Dresden auf (Bild 3), bei der auch der Schatzmeister der NPD Neukölln Jens Irgang (Bild 4, 5) anwesend war. Julian Beyer hingegen wurde lange Zeit nicht mehr auf Demonstrationen gesehen – an seiner Ideologie hat sich jedoch offensichtlich nichts geändert.

Vor zwei Wochen gab es eine Hausdurchsuchung bei Beyer im Sterndamm 232 (Bild 6), dem vorgeworfen wird, Betreiber der mitlerweile gelöschten Facebook-Seite „Freie Kräfte Neukölln“ gewesen zu sein. Auf der Seite wurde am 9. November 2016 eine Karte mit „jüdischen Einrichtungen“ in Berlin veröffentlicht. Eine weiter Karte, die dort zu finden war, zeigte linke Anlaufpunkte in Neukölln, unter anderem auch das k-fetisch, auf das es im Dezember 2016 einen Brandanschlag gab.

Nazis aus der Deckung holen!
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Die Bilder sind auf indymedia zu sehen.
Nazis aus der Deckung holen!
Am Samstag, den 15. Juli 2017 gibt um 19 Uhr im Stadtteilladen lunte in der Weisestr. 53 eine Diskussionsveranstaltung zum Thema „Bürgerlicher“ Antifaschismus versus „linker“ Antifaschismus.:

Gesprächsrunde und Austausch darüber, was heute die Grundzüge einer antifaschistischen Stadtteilpolitik sein sollen. Die jüngsten Ereignisse anlässlich einer Parteienvorstellungsrunde zur nahenden Bundestagswahl im Schillerkiez, wozu auch die AfD eingeladen wurde, verweisen auf die Dringlichkeit der Klärung von Bündnislinien für eine Antifa-Politik auf der „Höhe der Zeit“. Wir werden versuchen, mit zwei provokativen Inputs das Gespräch in Gang zu bringen.

Video: Polizeigewalt Friedel54

Immerhin gibt es jetzt wohl ein Ermittlungsverfahren gegen einen Polizeischläger, der bei der Räumung des Kiezladen Friedel54 eingesetzt war. Faustschläge gegen eine Aktivistin führten zu einer Ermittlung wegen Körperverletzung im Amt. Darüber berichtet die Berliner Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe: Friedel54-Räumung Polizist schlägt junger Aktivistin grundlos ins Gesicht .

Video auf Youtube

Protest gegen Polizei-Gewalt

bei der Räumung des Kiezladen Friedel54

Heute vormittag protestierten einigen Menschen aus Neukölln während der Sitzung des Innenausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses vor dem Gebäude in der Niederkirchnerstraße 5. In Bademänteln und aufgemalten Wunden und Fotos von Brutalitäten der Polizei wurde auf die Gewalt des Apparates hingewiesen.Bei der Sitzung wollte die Links-partei die Friedel54-Räumung thematisieren, der Punkt wurde aber vertagt.

Aktion gegen Polizeigewalt bei Friedel54-Räumung

Aktion gegen Polizeigewalt bei Friedel54-Räumung

Aktion gegen Polizeigewalt bei Friedel54-Räumung

Bilder vom Twitteraccount der Kiezversammlung44 .

Ob die Aktion die Berliner Medien interessiert, ist fraglich. Die Demonstration vom vergangenen Samstag Friedel54 bleibt – Demo 1. Juli 2017 war ja auch für keine Zeitung,Radio- oder Fernsehanstalt irgendwie berichtenswert. Es gab ja keine Randale, und ohne Randale keine Berichte. Dafür wird jede kaputte Scheibe und jedes Feuer hochgejubelt. Und solange das so ist, werden weiter Scheiben klirren und Flammen züngeln.

Konny – Extremistensong

Friedel54 sagt Danke

Eine Erklärung vom Kiezladen Friedel54 , die heute auf indymedia veröffentlicht wurde: [B] Friedel54: Danke für eure Solidarität! .

Danke für eure Solidarität, für eure Unterstützung, für eure Energie, für eure Entschlossenheit. Danke für eure Kreativität, für die Aktionen und motivierenden Worte. Danke für das Laut sein und für euer Durchhaltevermögen. Das hat uns allen Kraft gegeben, ob drinnen oder draußen.

Von drinnen eure entschlossenen Parolen zu hören, hat uns Mut gemacht und diverse Male schmunzeln lassen. Schlimm war es aber auch panische, schmerzerfüllte Schreie zu hören und abwarten zu müssen, was wohl mit uns passiert. Und wir mussten lange warten, da die Bullen mehrere Stunden, Sägeblätter und Rammböcke benötigten, um sich in die Räume der Friedel54 hineinzukloppen. Mit viel Material und wenig Verstand haben es diese Amateure dann irgendwie geschafft.

Doch nicht nur die Wände wurden verkloppt sondern auch wir, die die Räumung verhindern wollten. Dass die Staatsgewalt über die Stränge schlägt, ist ja weitreichend bekannt, dass die Räumung unseres geliebten Kiezladens Friedel 54 jedoch so dermaßen gewalttätig vom Gerichtsvollzieher Bossin und seinen Schergen durchgesetzt wurde, ist unfassbar und ekelhaft. So kreativ und vielfältig wir waren, so einseitig und stumpf haben die Bullen Befehle ausgeführt. Die Verantwortlichen aus der Politik halten sich fein raus oder schauen weg. Vor allem sollte sich die Bezirksverdränungsmeisterin Giffey angesprochen fühlen. Sie verurteilt Gewalt, dabei hat sie keine Ahnung, welche Gewalt sich tagtäglich in Neukölln und darüber hinaus abspielt. Eine Kostprobe davon haben wir am Donnerstag bei der Friedel54 Räumung bekommen.

Am Tag X und durch die Berichterstattung konnten wir sehen, wie gesellschaftlich anerkannt die Gewalt von Bullen ist und als “notwendig”, “normal” und “selbstverständlich” gesehen und dadurch legitimiert wird. Ob sich gewehrt wurde oder nicht, war im Grunde egal. Dass Menschen dadurch jedoch schwerst erniedrigt und traumatisiert werden und sich noch dazu nicht wehren dürfen, weil sie sonst von den erprobten Kampfrobotern erst recht körperlich angegangen und erniedrigt werden, ist traurige Realität. Dabei ist (hetero)Sexismus ebenfalls an der Tagesordnung. Gerade queere Menschen, die zur Verhinderung der Zwangsräumung gekommen sind, wurden besonders schikaniert. Das ist verabscheuungswürdig!

Polizeigewalt ist ein berechnendes Kalkül um Menschen systematisch zu traumatisieren und zu erniedrigen, damit wir es uns beim nächsten Mal zweimal überlegen, ob wir auf eine Demo gehen oder eine Zwangsräumung verhindern. Deswegen: Achtet auf euch! Nutzt Angebote wie Out of Action und redet mit Freund*innen über Erlebtes. Es wird in den nächsten Tagen auch eine von uns organisierte Sprechstunde mit Trauma-Therapeut*innen geben. Die genaue Ankündigung dazu folgt. Auch mit zu erwartenden Repressionen wollen wir euch nicht alleine lassen. Wir bieten euch weiterhin unsere kleine Antirepressionsstruktur an. Wir möchten euch schließlich darum bitten, wenn ihr Videos gemacht habt, stellt diese nicht ins Netz. Auch nicht verpixelt! Schützt euch und andere!

Durch unseren Zusammenhalt lassen wir uns nicht unterkriegen! Wir lassen uns nicht einschüchtern oder mundtot machen! Wir sind viele und wir sind laut! Die Friedel wurde uns genommen, aber unser Kampf geht weiter! Für Freiräume und ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit und mit Solidarität.

Die gestrige Demo war nur der Anfang. Nichts ist vergessen und nichts wird vergeben. Seid weiterhin kreativ, laut und wütend. Erinnert die Verantwortlichen, erinnert den rot-rot-grünen Senat an seine Bankrotterklärung gegenüber allen selbstverwalteten Strukturen von Unten. Nutzt die Nächte! Besucht Gerichtsvollzieher Bossin und andere Verdränger und verleiht eurer Wut kreativ Ausdruck.

Weiterhin und jetzt erst recht für mehr rebellische Nachbarschaften, solidarische Kieze und die Stadt von Unten!

Friedel54 am 1. Juli 2017

Demo Friedel54 1.Juli 2017

Demo am 1. Juli 2017 in Solidarität mit dem Kiezladen




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