Die Weisestrasse in der Weltpresse

Die Veränderungen im Schillerkiez wie steigende Mieten und die Proteste gegen neue Kneipen wie die Schillerbar sind auch zum Thema in der renommierten französischen Zeitung „Le Monde“ geworden. Am 16. November erschien in der Magazin-Beilage ein von Alexander Abdelilah geschriebener Artikel Zizanie dans les zincs de Berlin , der die Weisestrasse zum Symbol für die Veränderungen in der Stadt und die Auseinandersetzungen darum nimmt.

Zizanie Le Monde Website Screenshot

Screenshot Website

Hier ist eine deutsche Übersetzung:

Streit am Tresen

Es ist eine Fehde nach altem Schema, garniert mit Schmähungen die bei Nacht gerufen werden, mit zerbrochenen Fensterscheiben und wechselnden rachsüchtigen Graffiti- Tags. Im Viertel Neukölln, in Berlin, spielt sich eine komische Schlacht zwischen Bistros ab, hier lassen sich die Veränderungen, die die Stadt gerade erfährt, sehr gut erkennen. Die Gentrifizierung hört nicht auf, sich auszubreiten und gräbt einen Graben zwischen die Alteingesessenen und die Neuankömmlinge – Bourgoisie und andere Hipster. Die Weisestraße, eine kleine gepflasterte Straße, ist zum Symbol dieser Auseinandersetzungen geworden.

Am Anfang haben einige Barbesitzer der alteingesessenen Bars mit scheelem Blick beobachtet, wie moderne Cafés aufmachten. Besucht von einem eher jungen und weltoffenen Publikum – wie zum Beispiel das Circus Lemke, eine Retrobar mit Jazzstimmung und gedämpftem Licht, die 2009 in einer benachbarten Straße eröffnete. Aber erst mit der Eröffnung der Schiller Bar und ihren Zweiggeschäften (eine Bäckerei und einem Burgerrestaurant) in 2012 hat sich lokal Protest organisiert. „Sie wollten unser Viertel von außen erobern!“ beschuldigt sie Gerhardt, ein Aktivist aus dem Info- Laden, einem Verein, der linksextremen Gruppierungen nahe steht und sich in der Nummer 53 der gleichen Straße befindet.

Und, um ihre Methode nach Art des Trojanischen Pferdes anzuprangern: „Sie haben so getan, als wären sie bescheidene Kleinunternehmer ohne einen Pfennig und dann haben sie enorme Summen investiert.“ Die Fassaden der Schiller Bar tragen noch immer die Narben des Angriffs, den sie am Tag der Eröffnung, im Juli 2012, erlitten haben. Mehrere vermummte Angreifer hatten die Fassade mit roter Farbe bespritzt und drei Fensterscheiben zerschlagen. „Wir wollten diese Spuren dort belassen, um zu zeigen, dass sie uns nicht zum Gehen bewegen konnten“, versichert Zoya, eine Kellnerin des Geschäfts. „In den ersten 6 Monaten kamen Einige vorbei und sagten, dass wir sie aus ihrem eigenen Viertel vertrieben hätten…“

Einen auf „romantisch“ machen
Die Schiller Bar folgt dem Trend, der in Berlin gerade maßgeblich ist: Von Kohlezeichnungen bedeckte Wände, aus alten Brettern gebastelte Möbel und Weinflaschen die als Kerzenhalter dienen. Nicht weit von dort, in der Weisestraße 35, macht Savash, der Barmann aus dem Savo eine verdrießliche Miene: „Früher bestand eine Bar aus Barhockern und Bier. Heute muss man einen auf romantischen machen, mit Kerzen und alten Sofas.“ Als er merkte, dass jetzt ein anderer Wind weht, hat der Besitzer versucht, der neuen Kundschaft zu gefallen, mit grünen Neonröhren und rot gestrichenen Wänden und Tapete im Rokokostil. Aber vergeblich. „Alle Studierenden gehen nach gegenüber.“, trauert der Barmann und zeigt zum Frollein Langner, einer angesagten Bar, die für ihre Kunden alte Flugzeugsitze um kleine Tische aus Schildpattholz aufgestellt hat.

Hinter dem Kleinkrieg der Bars, tut sich die Debatte um die Mietpreise auf. Neulich wurden die 2 Wohnungen, die an die Schiller Bar angrenzen aufgekauft, um die Küchen zu vergrößern, was den Unmut wieder belebt hat. „Die Schiller Bar zerstört Wohnraum“, so lautet der Titel eines Eintrags auf dem linksextremen Blog Nachrichten aus Nord-Neukölln am 4. Oktober. „Es ist ihnen gelungen, ein älteres Paar zu vertreiben, die in einer der Wohnungen wohnten, indem sie ihnen eine andere Wohnung versprochen haben, mehr im Süden, in den großen Blocks.“, behauptet Alexander vom Info- Laden. Am Tresen vom Aller- Eck, eines der ältestens Etablissements der Straße regt sich Tobias auf: „Das hier ist nicht New Yorck, die Berliner werden sich das nicht gefallen lassen!“ Während des Wartens explodieren die Mietpreise weiter. In einem Jahr sind sie in Neukölln um 40% gestiegen.





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