Ferienwohnungen vernichten Wohnraum!

Auch in Neukölln floriert das Geschäft mit Ferienwohnungen. Dabei werden dringend benötigte Wohnungen, dem „normalen“ Wohnungsmarkt entzogen.
Das Onlineportal Airbnb listet insgesamt 1276 Unterkünfte für Neukölln und alleine 76 nur für den Schillerkiez im Umkreis der Schillerpromenade( Stand vom 17. Oktober 2013). 26 entfallen in die Kategorie Privatunterkünfte, wo Menschen Zimmer in ihrer Wohnung für Gäste zur Verfügung stellen, der Rest sind Wohnungen, die komplett vergeben werden. Einige Anbieter geben vor, wegen eigener Reisetätigkeit oder sozialen Motiven die Wohnung zu vermieten, aber bei der Mehrheit ist klar, dass es rein kommerzielle Absichten sind, zumal etliche Menschen gleich mehrere Wohnung inserieren.
Einige Beispiele aus den Online-Anzeigen von Airbnb:

Herrfurthstrasse 4: Ralph vermietet „Bildhübsche 80 qm DG-Wohnung“ für 90 € pro Nacht
https://www.airbnb.de/rooms/1548880

Schillerpromenade 7: Pierre (Diplom-Biologe) und Jessy bieten gleich 4 Ferienwohnungen zu Preisen zwischen 39 und 89 € pro Nacht an.
https://www.airbnb.de/rooms/168666

Weisestr. 13: Clemens will für „Gemütliche Zwei-Zimmer-Wohnung“ 50 € pro Nacht (900 € im Monat, eigene Miete ca 400 €)
https://www.airbnb.de/rooms/759887

Eine andere Variante sind sogenannte möblierte Wohnungen. Das geschieht Herrfurthplatz 3 Ecke Schillerpromenade 37 . Dort wurden Mieter gekündigt, die Wohnungen ziemlich schnell renoviert und mit Möbeln eingerichtet. Jetzt werden dort etwa 6 möblierte Wohnungen in Vorderhaus und Hinterhaus (zb. 32 m² für 680 Euro mtl.) angeboten. Die Mindestmietdauer liegt zwischen 2 und 12 Monaten.

Ferienwohnungen vernichten Wohnraum

weitere Informationen:

zu Airbnb
Airbnb ist weltweit die grösste Vermittlungsagentur für Ferienwohnungen, auch Privatunterkünfte oder gerne „Social Travelling“ genannt. Sie bezeichnen sich als Teil der „Sharing Economy“ , einer angeblichen Ökonomie des Teilens, bei der es aber doch hauptsächlich um Profit geht. Entstanden als sog. Start-Up“ 2008 in San Francisco haben sie ein lohnendes Geschäftsmodell entwickelt, bei dem sie 10 Prozent des von den Übernachtungsgästen bezahlten Betrags einkassieren. Das sorgte im Jahre 2012 für einen Umsatz von 180 Mio. Dollar und einen derzeitigen Börsenwert von ca. 2 Milliarden Dollar.
Laut einer Studie von Airbnb stärkt der Reisetrend “Privatunterkunft” die lokale Wirtschaft. So haben die mehr als 8.000 Airbnb-Gäste, die im letzten Jahr in Neukölln übernachtet haben, über 2 Millionen Euro in den Geschäften vor Ort ausgegeben und 1,3 Millionen Euro an ihre Gastgeber bezahlt.

So wirbt Airbnb für Neukölln:
Selbstentfaltung und Schöngeist halten Einzug in Berlins ehemaligem Arbeiterbezirk

Das Mieterecho Nr.350 vom Oktober 2011 hat den Schwerpunkt Ferienwohnung zu vermieten und enthält viele Hintergrundinformationen zur Problematik der Ferienwohnungen.

Erfahrungen und Meinungen zu „Social Travelling“ Forsch auf dem Vormarsch – Wie asozial ist der Tourismustrend Social Travelling?

Dass manche Menschen aus schierer Not ihre Wohnung untervermieten, schildert Helmut Höge in einem am 14.9. 2013 in der „tageszeitung“ erschienen Artikel. Wohnung frei für Touristen

Nachtrag vom 31.10.2013:

Die gerade erschienene Ausgabe Nr. 363 des MieterEcho vom Oktober 2013 befasst mit dem geplanten Zweckentfremdungsgesetz, das Ferienwohnungen verhindern soll. Es ist aber eher ein Placebogesetz mit dem Ergebnis: „Verbot der Zweckentfremdung verspricht wenig Wirkung“.





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